„Die Klimakrise spitzt sich zu und Nachhaltigkeitsziele scheinen in weite Ferne gerückt. Kriege und Krisen destabilisieren Gesellschaften und bedrohen demokratische Grundwerte. Wir zerbrechen uns den Kopf darüber, wie wir all diesen Entwicklungen begegnen können.

… es allen Menschen gleichberechtigt möglich ist, unsere Gesellschaft selbstbestimmt mitzugestalten? Wie sieht ein Zusammenleben aus, welches durch ein tatsächliches Abbild unserer Gesellschaft bestimmt wird? Bunt und gleichberechtigt – alle Geschlechter, sozialen Schichten, Kulturen, Religionen. Wir wollen den Blick weiten und vor allem die Potenziale für ein gerechteres Miteinander und nachhaltige Gesellschaften – global – unter Teilhabe aller betrachten.

Hätten Frauen denselben Zugang zu Produktionsmitteln wie Männer, könnten die Erträge in der Landwirtschaft um 20 bis 30 Prozent steigen, wodurch weitere 100 bis 150 Millionen Menschen ernährt werden könnten. So müssten weniger Waldflächen in Ackerland umgewandelt werden, was eine effektive Maßnahme gegen den Klimawandel darstellt.1 

Studien haben ergeben, dass Länder mit einem höheren Frauenanteil im Parlament eher dazu neigen, internationale Umweltabkommen zu ratifizieren und eine strengere Klimapolitik zu verfolgen.1

Weltweit führende Wissenschaftler*innen haben indigene Gemeinschaften als „einige der besten Hüter der Umwelt“ anerkannt. Ihr traditionelles Wissen kann dazu beitragen, die Ernährungsunsicherheit zu beenden, den Klimawandel zu bekämpfen und die Bodendegradation sowie den Verlust der biologischen Vielfalt umzukehren.2

Eine Welt gestaltet auf der Grundlage der Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs), ist eine Welt mit der Teilhabe aller! Zudem zeigen wissenschaftliche Studien und Beispiele aus aller Welt, welches enorme Veränderungspotenzial Frauen* und generell marginalisierte Gruppen bezüglich der Erreichung der SDGs freisetzen, wenn die nötigen Rahmenbedingungen und Entscheidungsspielräume ermöglicht und nicht eingeschränkt werden!

„Eine Gesellschaft, in der Mädchen und junge Frauen ihr volles intellektuelles, soziales und politisches Potenzial ausschöpfen können, ist gleichzeitig auch eine sichere, gesunde und florierende Gesellschaft.“

Julia Gillard, ehemalige Premierministerin von Australien


Am Beispiel unserer größten marginalisierten Gruppe – den Frauen* – zeigt sich, dass wir noch weit von einer gleichberechtigten Gesellschaft entfernt sind: So liegt weltweit der durchschnittliche Anteil von Frauen in Parlamenten bei unter 27 Prozent1, in Deutschland sind ebenfalls nur 32 Prozent der Abgeordneten im Bundestag Frauen2. Politische Entscheidungen werden also mehrheitlich von Männern getroffen. „Kein Land der Welt hat die vollständige rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht.“3

Laut den Vereinten Nationen würde es bei der derzeitigen Geschwindigkeit noch 171 Jahre dauern, bis Geschlechtergerechtigkeit erreicht ist.4

Frauen verbringen weltweit durchschnittlich 2,5-mal so viel Zeit mit unbezahlter Sorge- und Hausarbeit wie Männer 4

14 Prozent der Landbesitzenden sind Frauen – obwohl zum Beispiel in Südasien 71 Prozent der erwerbstätigen Frauen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft arbeiten.5


Globale Ziele für eine Nachhaltige Entwicklung – SDGs

Die Vereinten Nationen verabschiedeten 2015 die Agenda 2030, welche das Ziel verfolgt, eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Kernstück der Agenda sind die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die SDGs (Sustainable Development Goals).

Die Überwindung struktureller Ungleichheiten wird mit dem SDG 10 „Weniger Ungleichheiten“ explizit als eines der 17 Hauptziele formuliert. Ungleichheit zeigt sich in der ungleichen Verteilung von Vermögen, in der ungleichen Verteilung von Ressourcen und Rechten sowie in unterschiedlichen Möglichkeiten zur sozialen, politischen und wirtschaftlichen Teilhabe. In vielen Fällen treten verschiedene Formen und Konstellationen con Ungleichheit gleichzeitig auf, was zu komplexen Wechselwirkungen führen kann.

Mit SDG 10 sollen politisch Maßnahmen ergriffen werden, um Ungleichheiten innerhalb und zwischen Ländern zu verringern.  Ziel ist die Förderung sozialer, wirtschaftlicher und politischer Inklusion für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Alle Menschen sollen – unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Herkunft oder sozialem und wirtschaftlichem Status – gleiche Möglichkeiten haben. Hierfür sollen u. a. diskriminierende Gesetzte abgeschafft werden, die Repräsentanz von benachteiligten Bevölkerungsgruppen und Ländern in Entscheidungsgremien erhöht, eine geordnete, sichere, verantwortungsvolle und reguläre Migration gewährleistet werden.

Mehr Infos zum SDG 10 findet ihr hier!

Ebenso hebt die Agenda 2030 die gesonderte Rolle von Geschlechterungleichheiten hervor und widmet diesen das SDG 5 „Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen“. Ziel ist es, geschlechtsspezifische Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen und Mädchen zu beenden, den Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit zu gewährleisten sowie die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entscheidungsprozessen.

Mehr Infos zum SDG 5 findet ihr hier!

Auffällig ist, dass weder in den SDGs 5 und 10 noch in den anderen Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 die Rechte queerer Menschen bzw. die Gleichstellung von Personen unabhängig ihrer sexuellen Orientierung explizit benannt werden. Auf globaler Ebene werden ihre Rechte demnach nur indirekt über allgemeinere Menschenrechts‑ und Gleichstellungsziele mitgemeint, was ein großes Defizit der SDGs im Kontext einer gerechten und nachhaltigen Entwicklung darstellt. Auf nationaler Ebene werden die Belange dieser Personengruppe jedoch in der Strategie zur Feministischen Entwicklungspolitik adressiert.

Ungleichheiten werden zwar im SDG 10 bzw. 5 gebündelt thematisiert, kommen aber quer durch fast alle SDGs vor. „Weniger Ungleichheiten“ als Ziel ist somit ein Schlüsselfaktor der gesamten Agenda 2030.

Nicht selten überlappen sich Ungleichheiten, und die damit häufig verbundenen Diskriminierungen in vielen Fällen und verstärken sich dadurch noch. Dieses Phänomen wird als Intersektionalität beschrieben. So wird z.B. eine muslimische Frau nicht nur aufgrund patriarchaler Strukturen als Frau diskriminiert, sondern zusätzlich auch aufgrund ihrer Religiosität als Muslimin. Ursachen für Ungleichheiten sind oft strukturell verankert und eng miteinander verknüpft. Um Gleichstellung aller zu erreichen, ist es also wichtig, das System zu betrachten, in welchem Ungleichheiten auftreten. Wie ist hier Macht verteilt, welche Akteure treffen Entscheidungen und wer verfügt über welche Ressourcen?

Mehr dazu im Kapitel „Gedankenimpulse – Wie man individuell an einer Transformation mitwirken kann“

Mit der Strategie zur feministischen Entwicklungspolitik des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt sich Deutschland das Ziel strukturelle Ursachen von Ungleichheiten zu überwinden. Im Gegensatz zur vorherigen Herangehensweise werden nicht nur Frauen und Mädchen, sondern explizit auch marginalisierte Gruppen in all ihrer Vielfalt berücksichtigt. Allerdings steht weiterhin die Geschlechterungleichheit im Fokus, da Frauen und Mädchen die größte benachteiligte Gruppe darstellen.

Die Strategie stützt sich zur Erreichung ihrer Ziele auf drei zentrale Bereiche, die sog. „3Rs“: Rechte, Ressourcen und Repräsentanz. Demnach sollen diese Gruppen nicht nur ökonomisch unterstützt, sondern ein Rahmen geschaffen werden, der ihnen gleiche Rechte (z.B. Besitz von Land), den Zugang zu Ressourcen wie Bildung oder gesundheitliche Versorgung zusichert und sie dadurch ermächtigt, sich aktiv unternehmerisch oder politisch in Entscheidungsprozesse einzubringen.

Die Strategie stellt ein starkes Gegengewicht zu den wieder zunehmend rückwärtsgewandten Vorstellungen von Geschlechterrollen dar. NGOs und Institutionen, die sich mit dem Thema Geschlechtergerechtigkeit beschäftigen, bewerten die Strategie als sehr positiv. 6

Gleichzeitig finden aktuell drastische Kürzungen im Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) statt. Im Vergleich zu 2023 sind die Ausgaben des Bundes für das BMZ um 20 Prozent zurückgegangen, die Gelder für humanitäre Hilfe sind im Vergleich zu 2024 um 50 Prozent gekürzt wurden.7 Ausgehend von dieser dramatischen Entwicklung ist es umso wichtiger das Bewusstsein für die Bedeutung der feministischen Entwicklungspolitik zu schärfen und immer wieder hervorzuheben!


Wir alle können damit beginnen, Strukturen, Perspektiven, Handlungen und Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren. Stichworte in diesem Zusammenhang sind u.a. intersektionaler Feminismus, Privilegien & Anti-Rassismus.

“Wie vielen von uns bewusst ist, hat der Kolonialismus nie aufgehört, sondern wurde nur verändert. Und wir leben definitiv nicht unter gleichen Bedingungen.” 

Natalia Carrau: Heinrich Böll Stiftung: Feministische Entwicklungspolitik:
Ein Weg zu feministischer globaler Zusammenarbeit – Teil 3

Die Heinrich Böll Stiftung hat in ihren Broschüren zur Umsetzung der Feministischen Entwicklungspolitik eine Reihe von Handlungsempfehlungen im Kontext der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit aufgestellt, welche sich unserer Meinung nach, teilweise, gut auf eine allgemeinere Ebene bringen lassen.

Wir möchten euch einige davon als Gedankenimpulse mit auf den Weg geben. Dafür wollen wir euch an erster Stelle gemäß der Heinrich Böll Stiftung dazu ermutigen, sich auf die Unannehmlichkeiten einzulassen, die möglicherweise bei der Beschäftigung mit Themen, wie Sexismus, Rassismus, Kolonialismus und weiße Privilegien, aufkommen können. Stellt euch diesen Themen und der Wirklichkeit dahinter, um ihre Auswirkungen (auf die globale Zusammenarbeit) zu verstehen, selbst wenn Ihr meint, das würde euer Handeln nicht betreffen.

Um derzeitige Machtungleichgewichte (innerhalb der internationalen Entwicklungszusammenarbeit) aktiv zu dekonstruieren, müssen wir über Macht sprechen und versuchen, uns in einen ständigen Prozess des Verlernens und Wiedererlernens hineinzubegeben.

Begebt euch selbst auf die Reise & fragt euch, wie viel von dem, was ihr über menschliche Erfahrung wisst, aus einem weißen, kapitalistischen, patriarchalen Framing stammt? – Lernt von unzähligen indigenen & nicht eurozentrischen Erkenntnissen und erkennt dieses Wissen an; berücksichtigt dieses Wissen ohne es zu vereinnahmen.

Das gegenwärtige Wirtschaftssystem ist nicht neutral, sondern beruht auf gesellschaftlichen Ungleichgewichten, um zu funktionieren & zu wachsen. So geht es aufs Engste mit der Ausbeutung von systemisch ausgeschlossenen Menschen und einem Raubbau an der Natur einher. Dieses System verstetigt entsprechend Geschlechterungerechtigkeit wie auch andere Formen der Unterdrückung.
Habt ihr euch schon mal damit auseinandergesetzt, wie man das gängige Verständnis von Wirtschaft verändern kann, so dass es Ungleichheiten abbaut, anstatt sie zu fördern?

Welche Wertschätzung erfährt Care-Arbeit in deinem Leben? Ist diese Arbeit in deinem Haushalt gleichmäßig auf dich und andere verteilt?

Eine Welt gestaltet auf der Grundlage der Globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs), ist eine Welt mit der Teilhabe aller! Zudem zeigen wissenschaftliche Studien und Beispiele aus aller Welt, welches enorme Veränderungspotenzial Frauen* und generell marginalisierte Gruppen bezüglich der Erreichung der SDGs freisetzen, wenn die nötigen Rahmenbedingungen und Entscheidungsspielräume ermöglicht und nicht eingeschränkt werden!


In Anlehnung an die Strategie zur Feministischen Entwicklungspolitik des BMZ verwenden wir die Formulierung Frauen* und marginalisierte Gruppen für Menschen, die aufgrund von Geschlecht, Sprache, Alter, Behinderungen, ethnischer oder sozialer Herkunft, Religion, sozioökonomischer Situation, Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung oder aus anderen Gründen diskriminiert werden. Da Frauen weltweit den größten diskriminierten Bevölkerungsteil darstellen, werden sie hier noch einmal extra genannt.


Eine ausführliche Beschreibung findet ihr z. B. in der Strategie auf Seite 8.



Neues Thema – Neue Begriffe? Oder oft gehört, aber nie ganz verstanden? Kein Problem, hier findet ihr ein paar Erläuterungen: Ein ausführliches Glossar findet ihr beispielweise in der Strategie zur Feministischen Entwicklungspolitik des BMZ ab S. 36.8

Feminismus

Feministische Strömungen und Bewegungen waren und sind vielfältig, dynamisch und verfolg(t)en unterschied­liche Ansätze und Ziele. Es gibt also nicht den einen Feminismus. Eins ist dabei aber klar: Feminismus ist keineswegs eine „Erfindung“ des Westens oder eine weiße, eurozentristische Perspektive. Auf der ganzen Welt haben sich seit über 200 Jahren feministische Theorien und Be­wegungen herausgebildet, die je nach Epoche und Gesell­schaftskontext vielfältige Erscheinungsformen aufweisen. Die diversen feministischen Bewegungen haben Feminismus unterschiedlich definiert. In einem Kontext stand neben Ge­schlecht die ethnische Zugehörigkeit stärker im Vordergrund (zum Beispiel Black feminism), in einem anderen Kontext die Religion oder Klassenzugehörigkeit (zum Beispiel sozialis­tischer Feminismus). Die eine Form des Feminismus stellt die sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte ins Zentrum, während sich andere Feminismen verstärkt für die gleichberechtigte wirtschaftliche oder politische Teilhabe von Frauen einsetzen. Allen Feminismengemeinsam sind jedoch ihr Widerstand gegen Diskriminierung und Unterdrückung und ihr Einsatz für geschlechtergerechte Macht­verhältnisse.

Gender

Der englische Begriff Gender verweist auf die sozialen Auswirkungen von Geschlecht und die gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse, die durch Gesellschaft und Kultur geprägt sind. Der Begriff beschreibt, wie Zuschreibungen, Verhaltensweisen, Erwartungen, Vorstellungen und Normen an ein bestimmtes Geschlecht gebunden sind. Damit grenzt sich das soziale Geschlecht vom biologischen Geschlecht ab. Das soziale Geschlecht ist gesellschaftlich vorge­geben und daher kontextabhängig und wandlungsfähig (vgl. [Biologisches] Geschlecht)

(Biologisches) Geschlecht

Geschlecht fungiert als Oberkategorie für die englischen Begriffe von sex und gender. Sex bezieht sich dabei auf das bio­logische Geschlecht und umfasst alle körperlichen, geschlechtsspezifischen Merkmale, wie beispielsweise Chromosomen, Hormone oder innere und äußere Geschlechtsorgane. Menschen, deren biologisches Geschlecht mehrdeutig ist, werden oftmals der binären Kategorie Mann/Frau zugeordnet. In der Medizin und Biologie wird das binäre Modell inzwischen in Frage gestellt und das biologische Geschlecht als Spektrum verstanden (vgl. Gender/Soziales Geschlecht).

Globaler Süden – Globaler Norden

Die Begriffe Globaler Norden und Globaler Süden werden nicht geografisch verwendet, sondern verweisen auf eine privilegierte oder benachteiligte politische, ökonomische und kulturelle Position eines Staates im globalen Kontext. Länder des Globalen Südens nehmen historisch bedingt eine Position im globalen System ein, die sowohl gesellschaftlich als auch politisch und ökonomisch benachteiligt ist. Länder des Globalen Nordens hingegen nehmen eine dementsprechend begünstigte Position ein. Die Terminologie stellt auch die Ungleichheit und die dadurch bedingten Abhängigkeitsverhältnisse heraus. Mit den Begriffen sollen die überholten Bezeichnungen Dritte Welt und Entwicklungsländer abgelöst werden, allerdings stehen auch die Begriffe Globaler Norden und Globaler Süden in der Kritik, da es sich um eine eurozentrische Kategorisierung handelt.

Intersektionalität

Intersektionalitätbeschreibt, wie verschiedene Gründe für Diskriminierung bei Menschen zusammenkommen (englisch intersection = Überschneidung) und sich dabei gegensei­tig verstärken. Dies bedeutet, dass sich Diskriminierungen beispielsweise aufgrund von Geschlechtsidentität, sexu­eller Orientierung, Alter, Herkunft, Behinderungen, sozioökonomischem Status, ethnischer oder religiöser Zugehörig­keit oder Zuschreibung nicht isoliert voneinander betrachten oder einfach addieren lassen, sondern an den Schnittstellen neue Formen der Diskriminierung entstehen.

So wird eine SchwarzeFrau beispielsweise nicht nur aufgrund patriarcha­ler Strukturen als Frau diskriminiert und aufgrund rassisti­scher Strukturen als Schwarze Person. Aus der Wechselwir­kung der Machtsysteme Patriarchat und Rassismus entsteht eine neue Form der Diskriminierung als Schwarze Frau.

Eine intersektionale Herangehensweise stellt die Perspek­tive der marginalisierten Person oder Gruppe ins Zentrum und berücksichtigt das Zusammenwirken verschiedener Ungleichheiten, die aus unterschiedlichen Machtsystemen (beispielsweise Rassismus oder Klassismus) resultieren. In­tersektionalität stellt somit ein hilfreiches Werkzeug dafür dar, soziale Ungleichheiten möglichst ganzheitlich zu erfassen und anzugehen.

Patriarchat

Patriarchat beschreibt ein System oder eine Gesellschaftsordnung, die durch eine allgemeine Vorherrschaft von Männern über Frauen strukturiert ist und ein Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern konstruiert. In einer patriarchalen Gesellschaftsordnung sind alle maßgebenden Werte, Normen und Verhaltensmuster von Männern geprägt und nach ihnen ausgerichtet.


1 | United Nations: Dossier – Why women are key to climate action

2 | Unitet Nations (2022): Interview Hindou Ibrahim: Living in harmony with nature

3 | UN Women Austria (2026): Press Release: Kein Land der Welt hat vollständige Gleichstellung für Frauen und Mädchen erreicht.

4 | UN Women (2026): Progress on the Sustainable Development Goals: The gender snapshot 2026

5 | BMZ (2026): SDG 5: Geschlechtergleichheit – Zahlen und Fakten

6 | Vgl. Karin Gaesing/Frank Bliss/Carolin Rosenberg: Konzeption und Umsetzung gendertransformativer Ansätze in der Entwicklungszusammenarbeit, Duisburg 2025.

7 | VENRO – Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. (2025): Bundeshaushalt 2026: „Deutschland erfüllt seine Verpflichtungen nicht“

8 | Die aufgeführten Begriffserläuterungen wurden dem Glossar der Strategie zur Feministischen Entwicklungspolitik entnommen: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2023): Feministische Entwicklungspolitik – für gerechte und starke Gesellschaften weltweit